Was bleibt

(Ausschnitt)

... Und noch immer bleibt so vieles ungeschrieben,
unentschieden, ungesagt und ungetan.
Was ist von unsren Vorsätzen geblieben,
aus voller Kraft zu leben und zu lieben?
Meist hat uns falscher Ehrgeiz angetrieben. –
Am liebsten finge man von vorne an,

Um doch einmal einen eig’nen Weg zu wagen,
unbeirrt und unbefangen, Schritt für Schritt.
Nicht mehr alle Widersprüche zu ertragen,
scheinbar Selbstverständliches zu hinterfragen
und zur rechten Zeit entschieden Nein zu sagen,
wenn die Arroganz der Macht zutage tritt.

Und noch immer bleibt so vieles unverstanden,
unbegreiflich, unerhört und ungereimt.
Ein paar kleine Körnchen Wahrheit, die wir fanden
kamen uns auf unsrem Weg wieder abhanden,
fielen irgendwo ins Erdreich und verschwanden,
wär doch schön, wenn es nun bald irgendwo keimt!

Und noch immer bleibt so vieles unbeachtet,
worum unsre besten Leute sich bemüh’n.
Weltveränderer, die ihr verlachtet,
über die auch ihr euch heimlich lustig machtet,
haben jetzt schon mehr verändert als ihr dachtet.
Was man heute noch für Unkraut hält, wird blüh’n!

Und noch immer will so vieles erst entdeckt sein,
vieles was noch in uns schlummert will geweckt sein,
viele, die mit uns auf unsren Wegen gehen,
machen Mut zu hoffen und zu widerstehen,
wach zu bleiben und uns Träumen hinzugeben
und das Leben zu füllen
mit Leben!

Und noch immer fehlen Sprossen an den Leitern,
dabei wollen wir doch immer hoch hinaus,
wollen unsren Horizont erweitern,
immer besser werden, auch im Scheitern
sogar Misserfolge können uns erheitern,
anders hält man das ja alles gar nicht aus.

Und natürlich ist das wenigste gelungen
und so viele gute Chancen liegen brach.
Alte Lagerfeuerlieder sind verklungen,
wann wird ein neues Lied, ein bess’res Lied gesungen?
Von Höhenflügen bleiben nur Erinnerungen,
und auch die verblassen nach und nach.

Und noch immer staunen wir statt zu verstehen,
wie Reisende in einem fremden Land.
Vielleicht haben wir im großen Weltgeschehen
oft das Kleine, Wichtigere übersehen:
Dass es leicht ist aufeinander zuzugehen
ohne Argwohn und mit ausgestreckter Hand.

Und noch immer sind wir viel zu unbescheiden,
und das Wesentliche fällt uns selten leicht:
Aussichtslose Kämpfe zu vermeiden,
die notwendigen zu führ’n, und zwischen beiden
stets zur rechten Zeit zu unterscheiden –
wem das gelingt, der hat schon viel erreicht!

Und noch immer will so vieles erst entdeckt sein,
vieles was noch in uns schlummert will geweckt sein,
viele, die mit uns auf unsren Wegen gehen,
machen Mut zu hoffen und zu widerstehen,
wach zu bleiben und uns Träumen hinzugeben
und das Leben zu füllen
mit Leben!

Text und Musik: Markus Munzer-Dorn