Schmetterling

(Die Witwe)

Sie geht in Schwarz, seit ihre Freuden starben,
das Schwarz verdeckt wohl manche alten Narben,
zerbrechliche Gestalt, in Schwarz gehüllt!
In Schwarz verbirgt sie Träume, die verdarben,
doch sind in diesem Schwarz so viele Farben,
mehr Farben als in manchem bunten Bild.

Ihr Blick – hat er denn wirklich mir gegolten?
Ob wir die Fremdheit überwinden sollten?
Sie zieht mich an und wirkt doch unnahbar.
Die Furcht in ihren Augen ist erklärlich,
ihr Anderssein, das ist für sie gefährlich,
es macht sie für die andren zur Gefahr.

Hätt’ ich doch Mut und etwas Fantasie,
sie und mich selbst aus allen Zwängen zu befrei’n!
Könnt’ ich doch lernen, einmal so wie sie
in Trauer und dabei so stolz zu sein!

In Schwarz verbirgt sie Freuden, die ihr starben,
das Schwarz verdeckt wohl manche alten Narben
und alle Wunden, die sie je empfing.
Mit Schwarz bedeckt sie Träume, die verdarben,
doch schillert dieses Schwarz in hundert Farben –
Du zarter, schwereloser Schmetterling!