Frei sein

Sorbas:

Frei sein heißt: eigene Wege zu geh’n
durch das wirre Gelände des Lebens.
Einer wie ich hat schon so viel geseh’n,
und kein einziger Tag war vergebens.

Wer mit offenen Augen und wachem Verstand
durch die Welt geht, kann vieles berichten.
Du findest Wunder am Wegesrand
und jeden Tag neue Geschichten.

Das Leben hat so viele Farben für dich,
für jeden von uns verschwendet es sich,
da heißt es: staunend genießen
und sich dem Glück nicht verschließen!

Boss:

Das Glück – auch ich bin ihm nachgerannt,
weil’s jeder so macht.
Reichtum und Ruhm machen mich interessant,
so hab ich gedacht.

Nur keine Skrupel, sagen die Leute,
Macht und Vermögen winken als Beute.
Jeder rafft gierig, soviel er nur kann –
Es ekelt mich an!

Nur meine Bücher blieben mir noch,
ich zog mich zurück,
wühlte nach Wissen und Weisheit, und doch
fand ich kein Glück.

Kein Buch hat mir die Erkenntnis gebracht,
was denn ein sinnvolles Leben ausmacht.
Bis ich zu der Einsicht gekommen bin:
Es gibt keinen Sinn.

Sorbas:

Leben heißt: seinen Gefühlen vertrau’n,
unersättlich und voller Begier sein,
eins mit sich selbst, wie ein tanzender Faun
halb göttlich und halb wie ein Tier sein.

Packe den Tag wie ein lüsternes Weib,
dass er dir ja nicht entwischt,
spüre das Feuer am eigenen Leib,
ein Feuer, das niemals erlischt!

Etwas Verrücktheit schadet da nicht,
Regeln sind dazu da, dass man sie bricht!
Egal, was die anderen denken,
ich lasse mich niemals beschränken!

Boss:

Ob ich das Leben noch lernen kann?
Ob ich’s probier’?
Ich fange nochmal von vorne an,
darum bin ich hier;

um jeden Tag einen Schritt weiter zu geh’n,
ein klein wenig mehr von der Welt zu versteh’n. –
Endlich einmal etwas Richtiges tun,
das will ich nun.

Beide:

Leben heißt: jeden Tag etwas riskier’n
und Neues beginnen.
Frei sein, das heißt: du hast nichts zu verlier’n
doch viel zu gewinnen!

Schau dich nur um im Heute und Hier:
Der Weg liegt vor dir!

Text: Markus Munzer-Dorn
Musik: Konstantin Wecker